Diese Diskussionsvorlage ist nach langjähriger Besprechung und Meinungsbildung in verschiedenen Vorständen gemeinsam mit den MitarbeiterInnen des Komplex entwickelt und dann 2012 beschlossen worden. Teile wurden im Nachhinein aufgrund von Meinungsbildungen in Diskussionen der Bürgerinitiative für ein Bürger- und Kulturzentrum aktualisiert. Wir sind davon überzeugt, dass mit diesem Bürger- und Kulturzentrum nachhaltig die kulturelle Infrastruktur und das Gemeinwesen Schüttorfs gestärkt und zukunftsfähig gemacht wird.

Historie

Das Jugendzentrum wurde 1979 zunächst in dem sogenannten „ehemaligen Altersheim“ an der Salzberger Straße eingerichtet. 1982 erfolgte dann der Umzug in das Gebäude der Spedition Wanning an die Mauerstraße. Hier wurden zunächst ein Veranstaltungsraum (Saal), 2 Werkstätten, 2 kleine Gruppenräume und der Toilettenbereich gebaut.
Aufgrund der großen Akzeptanz wurde das Jugendzentrum, damals „Halle 1“, schnell zu eng. Daraufhin renovierten die Stadt und der Verein die beiden zugehörigen Wohnhäuser und es entstanden hier die Teestube, das Büro, eine Küche, eine kleine Dienstwohnung für Zivildienstleistende und zwei kleinere Nebenräume. Das so entstandene Komplex an der Mauerstraße war ein offenes Haus, das von unterschiedlichen BesucherInnen, viele mit Migrationshintergrund, besucht wurde. In den ersten Jahren kamen neben deutschen viele türkische Besucher in die Teestube. Später gehörten auch Jugendliche vornehmlich aus Russland, aber auch zunehmend andere Nationalitäten dazu. Ein wesentlicher Schwerpunkt des Jugendzentrums war immer die integrative/inklusive Arbeit. Ein Ergebnis hiervon ist unter anderem die Theatergruppe WolkenRoller, die mittlerweile landesweite Beachtung findet.
Im Laufe der Jahre öffnete sich das Jugendzentrum immer weiter auch anderen Interessengruppen. Der Veranstaltungsbereich wurde zu einer der Säulen des Komplex. Dies wurde von der Stadt Schüttorf und den Räten auf der einen Seite durchaus kritisch gesehen, da in der Folge der personelle Aufwand stieg, auf der anderen Seite freuten sich alle über eine hervorragend funktionierende Kultur- und Jugendeinrichtung, auf die viele Kommunen in der Region ein wenig neidisch blickten. Als Konsequenz aus den deutlich erweiterten Angeboten und der vielfältigen Besuchsstruktur wurde der Verein Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Niedersachsen (LAGS). Mit Unterstützung der LAGS wurden wichtige Investitionen in die Infrastruktur des Hauses möglich. Gefördert wurden diese unter anderem mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.

Gegenwart

Das Komplex hat sich in Schüttorf und Umgebung als Jugendund Kultureinrichtung etabliert. Die Besucherzahl hat sich auf deutlich über 30 000 pro Jahr eingependelt, und es finden inzwischen mehr als 20 regelmäßige AGs und Projekte im Komplex statt.
Die Teestube, also der Offene Bereich, wird regelmäßig von vielen Jugendlichen unterschiedlichen Alters, kulturellen und sozialen Hintergrunds besucht. Zu den BesucherInnen gehören mittlerweile auch viele geflüchtete Menschen.
Neben den eigenen Aktivitäten und Kulturangeboten wird das Haus von anderen Vereinen, Verbänden und Schulen genutzt, um Veranstaltungen durchzuführen oder sich vom Jugendzentrum mit dem über Jahre erworbenen Know How unterstützen zu lassen. Insgesamt führt dies dazu, dass die räumlichen Kapazitäten überreizt sind und dieser Zustand auf die Dauer nicht zu halten ist. In der Vergangenheit mussten daher schon etliche Projekte abgesagt werden, obwohl es aus pädagogischer und/oder inhaltlicher Sicht sinnvoll gewesen wäre, diese durchzuführen. Im Tagesbetrieb fehlen vor allen Dingen Gruppen-, Kreativ- und Bewegungsräume. Der Verein kann nicht alle Anfragen von Initiativen, eigenen AGs und Gruppen (Übungsräume für Bands, Theater- und Tanzgruppen, Atelier für Kunstgruppen) befriedigen, da wir nur über einen kleinen Gruppenraum und einen Bandübungsraum verfügen. Diese sind für eine größere Personenzahl und die zahlreichen Bandanfragen nicht geeignet.
Darüber hinaus gibt es nur noch die Teestube und den Saal. Beide Räumlichkeiten werden für Veranstaltungen, AG-Arbeit, bzw. den Offenen Bereich ständig gebraucht. Auch die Kapazität des Saales reicht bei und für viele Veranstaltungen nicht mehr aus. Viele Künstler treten zum Beispiel erst ab einer bestimmten möglichen Zuschauerzahl auf.
Auch andere Initiativen und Vereine in Schüttorf benötigen für Veranstaltungen wesentlich größere Räume. Überlegungen, das Komplex am vorhandenen Ort zu erweitern, scheinen nicht sinnvoll. Das Gebäude müsste grundsaniert werden. Hinzu kommt, dass die Lärmdämmung nach außen ein großes Problem darstellt, da sie nicht ausreichend bzw. gar nicht vorhanden ist. Es müssten mit großem Aufwand Lärmdämmmaßnahmen durchgeführt werden, die einem Neubau des Veranstaltungssaales gleichkämen. In den letzten 10 Jahren ist im Jugendzentrum an der Bausubstanz keine Veränderung oder Verbesserung mehr vorgenommen worden. Es scheinen sich alle Entscheidungsträger einig, dass dieser Standort auf die Dauer aufgegeben werden soll und das Gebäude abgängig ist.

Bürger- und Kulturzentrum Schüttorf (Arbeitstitel)

Ein Bürger- und Kulturzentrum soll ein Treffpunkt für alle Menschen der Gemeinde sein, unabhängig von Geschlecht, Alter, kultureller, sozialer oder religiöser Herkunft. Es soll Hemmschwellen abbauen, Kultur vermitteln und die regionale Identität fördern.
In Schüttorf könnte es ein Treffpunkt für Einheimische wie für Touristen werden. Das Zentrum soll eine Heimat für alle kulturschaffenden und künstlerischen Gruppierungen der Stadt sein. Es muss die räumlichen und technischen Möglichkeiten bieten, Kulturveranstaltungen verschiedenster Art wie Theater, Kabarett, Kleinkunst und Konzerte aller Art durchzuführen, ebenso wie Ausstellungen aus den Bereichen der bildenden Kunst, Zeitgeschehen und Geschichte der Stadt und der Region zu präsentieren.
Das Bürger- und Kulturzentrum soll auch für kleine themenbezogene Märkte und Messen, bei denen sich z.B. die heimische Wirtschaft präsentieren kann, genutzt werden können. Insgesamt kann hier ein interessantes und vielschichtiges Programmangebot stattfinden.
Durch das Bürger- und Kulturzentrum kann das schon jetzt vielfältige Kulturangebot Schüttorfs noch weiter gefördert und ausgebaut werden, um dem strukturellen Wandel infolge der demographischen Umschichtungen in Schüttorf und der Obergrafschaft weiter gerecht zu werden. Für Schüttorf als wachsenden Wirtschaftsstandort mit steigender touristischer Bedeutung bekommt auch die kulturelle Infrastruktur von Stadt und Region eine besondere Bedeutung. Durch die Schaffung eines „Kulturmittelpunktes“ mit Strahlwirkung nach außen macht das Schüttorf nicht zuletzt für Fachkräfte und für auswärtige Firmen interessant. Stichwort – weicher Standortfaktor. Kultur bedeutet Lebensqualität und legt einen Grundstein zu einer offenen, toleranten und innovativen Gemeinschaft. Sie stärkt die Kreativität und Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.
Als Kern muss das soziokulturelle Zentrum über einen Konzert- und Veranstaltungsraum verfügen, der für sämtliche Großveranstaltungen in der Stadt genutzt werden kann. Er sollte sehr flexibel sein und es sollte von gemütlicher Theaterbestuhlung bis zu unbestuhlter Nutzung alles möglich sein. Damit wäre es in Schüttorf möglich, eine andere und größere Qualität an Künstlern zu buchen, was nicht nur regional, sondern auch überregional von Bedeutung ist. Dieser große Saal des Zentrums könnte unter anderem wieder eine echte „Heimat“ der integrativen Theatergruppe „WolkenRoller“ werden. Durch Trennwände können die Aktivitäten von Tanz- und Theatergruppen, Breakdancern und Musikvereinen wieder stattfinden, ohne den Restbetrieb einzuschränken. Vor allem soll der Saal aber allen potenziellen Nutzern aus Schüttorf zu Gute kommen. Pentagon-Conzerts, Pluspunkt, Katholischer Karnevalsverein, FC Schüttorf 09, Chöre usw. haben hier endlich die Möglichkeit, ihre „Großveranstaltung“ durchzuführen. Auch themenbezogene Märkte und kleinere Messen können hier ihr neues Zuhause finden. Hier stehen dann auch die entsprechenden Räume für ein Rahmenprogramm mit Workshops, Seminaren und Vorträgen zur Verfügung. Fremdangebote ergänzen das eigene Angebot und führen zu einer Steigerung der Attraktivität und Akzeptanz des Zentrums.
Das Gesamtkonzept des Bürger- und Kulturzentrums, besonders der Saalbereich sowie die gesamte Einrichtung und Ausstattung, sollten äußerst flexibel gestaltet sein, um schnell auf geänderte Rahmen- und Nutzungsbedingungen reagieren zu können. Es sollte auch von vorneherein ein evtl. Umzug des Theaters der Obergrafschaft in das neue Gebäude in Betracht gezogen werden und entsprechende räumliche und technische Voraussetzungen geschaffen werden, um größere Theateraufführungen zu ermöglichen. Die jetzigen Räumlichkeiten und die Bühnenausstattung des T.d.O. erfüllen schon jetzt die Erwartungen und Anforderungen an ein Theater in vielen Punkten nicht mehr. Auch externe Bildungsträger wie Volkshochschule, Ländliche Erwachsenenbildung usw. brauchen das Raumangebot für ihre Angebote vor Ort. Weil auch verschiedenste künstlerische und kulturelle Gruppierungen NutzerInnen sein sollen, muss es mit einem ausreichenden Raumangebot an Gruppenräumen, Proberäumen, usw. ausgestattet sein.
Die Gastronomie in einem solchen Zentrum sollte professionell betrieben werden, um das Zentrum täglich mit Leben zu füllen und als Treffpunkt zu etablieren. Außerdem können die Pachteinnahmen zur Finanzierung des Zentrums beitragen. Als Betreiber oder Pächter sollten hier durchaus Schüttorfer Gastronomen mit ins Boot geholt werden, die hier eine „Zweigstelle“ aufmachen könnten.
Ein Informationsbüro, in dem Informationen zur Stadt und Stadtgeschichte, der Umgebung, sowie Tickets für Veranstaltungen zu bekommen wären, ist an diesem Standort sinnvoll. Außerdem könnte in einem solchen Zentrum das bereits erfolgreich laufende Kino- und Filmprogramm intensiviert werden. Das Bürger- und Kulturzentrum wird das bisher erreichte Niveau an kultureller Vielfalt in Schüttorf weiter ausbauen. Auch überregional würde ein solches Haus Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ein solcher Standort hätte natürlich auch Synergie-Effekte zur Folge. So könnte sich das vorhandene Haupt- und ehrenamtliche Personal in der Arbeit ergänzen, es würde zu einer Vernetzung der Kompetenzen kommen und Entscheidungswege verkürzen.
Selbstverständlich gehört in dieses Gebäude auch der Jugendbereich des Komplex. Die Integration in ein neues Zentrum kann den jugendlichen BesucherInnen Räumlichkeiten bieten, die ihren Interessen gerecht werden. Der Jugendbereich soll mit den Jugendlichen und durch sie gestaltet werden, um einen hohen Identifizierungsgrad zu erreichen und es soll baulich möglich sein, dass die Jugendlichen sich hier in „ihren“ Bereich zurückziehen können. Aus diesem „geschütztem“ Bereich heraus können die Jugendlichen dann das Zentrum nach und nach für sich erschließen. Innerhalb des Hauses muss also eine große Durchlässigkeit vorhanden sein. Da das neue Kulturzentrum ein Ort der Begegnung und Kultur für alle BürgerInnen der Stadt werden soll, mit dem sich alle identifizieren, ist es nur konsequent und richtig, Jugendräume in ein solches Zentrum zu integrieren. Der am Komplex angesiedelte Ferien(s)pass und seit einigen Jahren auch der Ferienhort finden in diesen neuen Räumlichkeiten optimale Bedingungen. Die ständig steigende Zahl der Kinder beim Hort und die Ausweitung der Betreuungszeiten bis 15:00 Uhr und damit auch eine Mittagessenzubereitung, führen dann nicht mehr zu Einschränkungen des allgemeinen Betriebs. Angebote wie Betreuung der Hortkinder, der Offene Jugendbereich, Zirkus Radieschen, Internetschulungen etc. können dann parallel stattfinden. Dieses Konzept lebt von der Beteiligung Jugendlicher und Erwachsener, die ihre Ideen einbringen, FremdveranstalterInnen, denen sich Möglichkeiten zur Realisierung ihrer Projekte bieten oder auch anderen Interessensgruppen, die mit eingebunden werden können.

In unserer heutigen Zeit ist alles, was nicht flexibel ist, schnell wieder überholt und veraltet. Dieses Bürger- und Kulturzentrum ist kein starres Gebilde, sondern es lebt von einem Konzept, dass immer wieder anzupassen ist.

 

Schüttorf, im November 2016

Für den Vorstand des Komplex: Niklas Wanning (1.Vorsitzender)

Für das Team des Komplex:  Frieder Heckmann

Für die Bürgerinitiative: Arthur Lieske